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Biken in dünner Luft

Ein abwechslungsreiches Bikerevier mit viel Potential
 

Von den Möglichkeiten her bräuchte man sich in Bormio auch vor weit bekannteren Mountainbike-Resorts nicht verstecken. Doch auf dem Weg zum kompletten Bike-Revier gibt es noch Luft nach oben.

 
Auf in den Kampf: der Trailhead von Bormio 3000
 

Als Alpencross-Durchgangsstation ist der Talkessel von Bormio schon seit Jahren beliebt. So bekannte Routen wie Heckmair, Joe oder Albrecht teilen sich mehr oder weniger dieselben, landschaftlich einzigartig schönen Strecken. Die Hauptrouten führen über die Bocchetta di Forcola oder den Passo Fraele ins Veltlin hinein und verlassen es wieder "durch die Hintertür" am Passo Gavia.

Auch für "stationäre Biker" finden sich rund um diese Alpencross-Achsen viele Möglichkeiten. Um das Stilfserjoch tobte vor knapp hundert Jahren der Gebirgskrieg - die meisten Wege in diesem Sektor gehen auf ehemalige Nachschublinien der italienischen Alpini-Truppen zurück. Auch hundert Jahre nach dem Krieg sind diese Strecken noch in gutem Zustand. Eine gute Kondition vorausgesetzt - wir befinden uns hier in Bereichen von um die 2700 Metern Meereshöhe - erlauben sie selbst fahrtechnisch weniger versierten Mountainbikern eindrückliche Bike Touren im hochalpinen Raum.

Die wirklichen Highlights vor Ort richten sich aber an Allmountain Piloten und Freerider. Wer auf der Suche nach Singletrails im Hochgebirge ist, der wird um Bormio, vor allem aber im Valfurva mit einigen echten Highlights fündig. Allen voran wäre hier der "Bormio 3000" Trail genannt, vielleicht noch bekannter ist die Abfahrt vom Passo Zebru. Dass auch der Zebru-Trail ursprünglich auf einen Nachschubweg der italienischen Gebirgstruppen zurückgeht, davon zeugen die Stellungsreste und verrostenden Stacheldrahtverhaue auf der Passhöhe. Seit dieser Trail mit dem Minibagger für konditionsstarke Freerider optimiert wurde, zählt er zu den besten Hochgebirgstrails weit und breit. Den Einstieg solcher Trails zu erreichen, kann natürlich schnell in harte Arbeit ausarten. Glücklicherweise hat man vor Ort erkannt, dass es für diesen Typus an Touren einen Markt gibt. Und so bringen eine handvoll Seilbahnen und Landrover-Shuttles ambitionierte Freerider auf Höhe.

Fazit: Rund um Bormio findet sich ein sehr vielseitiges, alpin geprägtes Bikerevier mit großem Potential. Dabei ist ein schöner Teil dieses Potentials bereits gehoben: eine handvoll Seilbahnen erschließt hervorragendes Bike-Terrain. Außerhalb der Ski-Resorts können Biker auf einen gut funktionierenden Landrover-Shuttle zurückgreifen. Zudem wurden einige Trail-Highlights mit dem Minibagger für Mountainbiker optimiert.
Wo die Wege nicht für Mountainbiker optimiert wurden, präsentieren sich diese allerdings oft sehr ruppig und teils verblockt. Hier werden vor allem sehr versierte Mountainbiker auf ihre Kosten kommen. Bei Einsteigern werden diese Wege auf wenig Gegenliebe stoßen.
Ein weiterer limitierender Faktor sind die vorhandenen Defizite in Sachen Informationsmaterial: ausgeschilderte Strecken, ein Mountainbike-Guide oder eine Karte mit eingezeichneten Trails sind Fehlanzeige. Unverständlicher Weise werden zudem die von offizieller Seite erhältlichen GPS-Tracks nur kostenpflichtig angeboten.