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Biken wo der Bär tanzt

Gardasee Fans wissen sich als Teil einer großen Community an Gleichgesinnten
 

„Am Lago“ hatte die (deutschsprachige) Mountainbike-Bewegung ihr Erweckungserlebnis. Um praktisch jede Tour am Gardasee stricken sich Legenden, das Revier ist mehr als gut frequentiert.

 
Schaulaufen mit Panoramablick auf der Ponalestraße
 

Keine Frage, die Mountainbike Touren am Gardasee haben Qualität. Aber auch ihre Eigenheiten, auf die man sich einstellen muss. Fangen wir mit dem geforderten Anspruch an: Wer nicht gerade im Talgrund bleibt, wird am Lago wenige wirklich leichte Runden finden. Vom Seeufer auf 70 Metern Meereshöhe steigen die umliegenden Berge jäh bis auf knapp 2000 Meter an. Für den Charakter der Touren ergibt sich daraus nicht nur eine meist beeindruckende Höhenmeter Bilanz. Selbst wenn man den Teer nicht verlässt kommt bei bei den Touren vor Ort um gnadenlos steile Rampen kaum herum. Mountainbike Touren am Gardasee – und zwar selbst die leichten – muss man sich mit einem deutlichen konditionellen Einsatz schwer verdienen.

Wer den Teer dann verlässt, bekommt es mit einer weiteren Tücke zu tun. Der oft tiefe und haltlose "Gardasee-Schotter" ist berüchtigt. Selbst auf breiten Militärstraßen, wie etwa am Passo Tremalzo, macht er Mountainbikern das Leben schwer. Bergauf fordert dieser Untergrund viel Kraft und birgt bergab oftmals eine latente Sturzgefahr.

Dass der Gardasee dennoch zu den Top Ten Mountainbike Revieren Europas zählt, liegt wohl vor allem an der umwerfenden Landschaft. Egal wie sehr man beim Aufstieg leiden musste: die Tiefblicke von ganz oben auf den Lago versöhnen auch mit der größten Pein. Touren wie über den Passo Tremalzo, kurze Abendrunden wie über die Ponalestraße nach Pregasina oder wilde Freeride-Ritte wie am Monte Altissimo und seinem 601er Trail gehören zum Eindrücklichsten, was man als Mountainbiker erlebt haben kann.

Diese Vorzüge des Gardasees haben sich natürlich schon längst herumgesprochen. Zu Spitzenzeiten wie etwa Pfingsten ist das Wort "überlaufen" für den Gardasee schon eine harmlose Untertreibung. Wer die unbestritten lohnenden Touren vor Ort halbwegs in Ruhe genießen will, sollte seinen Besuch am Lago besser auf die Nebensaison legen.

Fazit: So viele lohnende Touren wie am Gardasee finden sich anderswo selten. Doch die meisten Mountainbike Touren, die man dort "gemacht haben muss" sind wegen des oft tückischen Untergrunds und der beträchtlichen Höhenunterschiede deutlich anspruchsvoller, als es das Image des Gardasee vermuten lässt. Wirkliche Flowtrails finden sich hier nur sehr wenige. Für den Typus "klassischer Mountainbiker", der gerne längere Anstiege fährt und auch vor Teer nicht zurückschreckt, eignet sich der Lage jedoch perfekt. Wer jedoch halbwegs seine Ruhe haben will, sollte die Ferienzeiten meiden und seine Runden am Gardasee in der tiefsten Nebensaison drehen.