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Das Verdun Italiens

Am Monte Grappa tobte eine der letzten Schlachten des Gebirgskriegs
 

„Monte Grappa, du bist mein Vaterland.“ Dieser Satz prangt unübersehbar am Ossarium. In Italien findet sich kaum ein Dorf, das am Schicksalsberg des Gebirgskriegs keine Toten zu beklagen hatte.

 
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Die Katastrophe von Caporetto

Elf blutige Schlachten waren am Fluss Isonzo im heutigen Slowenien bereits geschlagen worden. Die zwölfte, begonnen am 24. Oktober 1917, war die entscheidende. Da wegen der Oktoberrevolution der Friedensschluss mit Russland zu erwarten war, wurden an der Ostfront österreichische und deutsche Truppen abkömmlich. Durch diese Verstärkungen und den massiven Einsatz von Giftgas gelang den Österreichern der Durchbruch. Bei Caporetto konnten sie die italienischen Truppen fast vernichtend schlagen. Die Reste einer in Auflösung befindlichen Armee zogen sich hektisch ins eigene Kernland zurück.

Der italienische Generalstabschef Luigi Cadorna, von seinen eigenen Soldaten nur noch „der Schlächter“ genannt, sah die Verantwortung für diese Niederlage jedoch keineswegs bei sich. Trotz tausender eigener Toter sprach Cadorna von einem „soldatischen Streik“ und warf seinen Truppen vor, sich kampflos zurückgezogen zu haben. Sein Zynismus half Cadorna jedoch wenig. Am 8. November 1917 wurde er durch General Armando Diaz abgelöst.

Stopp am Piave

Warum der Vorstoß der Österreicher am Fluss Piave zum Stehen kam, gibt noch heute Anlass zu manchem Expertenstreit. Wahrscheinlich war dieser Stopp durch Nachschubprobleme bedingt. Zudem führte der Piave zu diesem Zeitpunkt Hochwasser. Für die italienische Armee, die sich inzwischen auch aus den Dolomiten zurückgezogen hatte, war dieses natürliche Hindernis ein Glücksfall. Nur so ergab sich die Gelegenheit, sich wieder zu sammeln und vom Monte Grappa bis zur Adria die letzte Frontlinie des Gebirgskriegs zu stabilisieren.
Der Monte Grappa nahm so eine zentrale Rolle in diesem letzten Kapitel des Krieges ein. Artilleriestellungen auf dem Gipfel dieses Berges waren in der Lage, über eine weite Strecke hinweg jede Bewegung des Gegners zu kontrollieren. Sollte ein weiterer Vorstoß ins italienische Kernland gelingen, musste zuerst der Monte Grappa erobert werden. Den ersten Versuch hierzu unternahmen die Österreicher bereits im November 1917. Doch obwohl die italienische Armee noch von den Folgen der Caporettoschlacht geschwächt war, konnte der Angriff abgewehrt werden.

Eine neue Frontlinie stabilisiert sich

Der schneereiche Winter 1917/18 machte weitere militärische Operationen am Berg unmöglich. Hektisch begann man mit dem Ausbau der Stellungen. Ein Großteil des Wegenetzes am Monte Grappa wurde innerhalb nur weniger Monate während dieses Winters erbaut. So vorbereitet konnten die Italiener auch den zweiten Großangriff der Österreicher im Juni 1918 überstehen. Die „Solstizio“-Schlacht tobte vom Berg bis hinunter ans Meer und kostete beide Seiten verheerende Verluste. Doch vor allem die attackierenden Österreicher waren nach dieser Schlacht fast ausgeblutet. Am 24. Oktober 1918, am Jahrestag der Schlacht von Caporetto, griffen nun ihrerseits die Italiener an. Diesem Vorstoß hatten die Österreicher nichts mehr entgegenzusetzen. Nach nur wenigen Tagen wurden die Reste der österreichischen Armee bei Vittorio Veneto vernichtend geschlagen. Der Waffenstillstand, geschlossen am 3. November 1918 in der Villa Giusti, besiegelte das Ende des Gebirgskrieges – und das der K.u.k.-Monarchie.