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Militärwege en Masse

Südlich von Rovereto stammt fast jeder Weg aus dem Gebirgskrieg
 

Das Bike-Revier ist über jeden Zweifel erhaben, doch die Spuren des Gebirgskrieges sind omnipräsent. An wenigen Stellen der Dolomitenfront wurden auf so engem Raum so viele Menschen geopfert.

 
 

Wenn es ein Bike-Revier entlang der Südgrenze des Trentino gibt, in dem „Mountainbike“ und „Militärwege“ ein und dasselbe sind, dann ist es das Revier von Rovereto. Praktisch jeder Weg in diesen Bergen hat seinen Ursprung in den Schlachten des Ersten Weltkrieges, seien es Straßen, Schotterwege oder Singletrails. Den Monte Pasubio kennt spätestens seit den Moser Guides jeder Mountainbiker. Hier fand eines der erbarmungslosesten Gemetzel des Gebirgskrieges statt. Heute findet sich auf den Nachschubwegen zu den Killing Fields des Pasubio eines der interessantesten Bike-Reviere weit und breit.
Weniger bekannt, sei es im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg oder in Sachen Mountainbike, ist der Monte Zebio. Dabei sind die charakteristischen glatt geschliffenen Gesteinsplatten oberhalb der Ortschaft Rovereto mit Sicherheit jedem Gardasee-Fahrer schon einmal aufgefallen. Die Front des Gebirgskrieges verlief genau über den Rücken des Monte Zebio. Rovereto war über zwei Jahre lang Frontstadt und direkt in die Kämpfe verwickelt. Entsprechend findet sich auch am Zebio das typische Netz aus Militärtrails nebst vieler erhaltener Stellungen aus dem Krieg.
Südlich des Monte Zebio teilt ein langer Grat das Etschtal vom Vallarsa, um schließlich in die „Kleinen Dolomiten“ und die Hochebene der Monti Lessini zu münden. Im Krieg befanden sich hier die Rückzugslinien der italienischen Truppen. Der komplette Grat ist mit einem System aus Militärwegen erschlossen. Die meisten davon sind auf Singletrail Breite verfallen, und ergeben optimales Bike-Terrain. Allerdings überragt der höchste Punkt dieses Militärstraßennetzes am Rifugio Fraccaroli das Etschtal um satte 2000 Höhenmeter. Eine Tour dort oben an einem Tag zu schaffen dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Für ein Wochenende eignet sich der „Giro Cima Carega“ aber perfekt.
Insgesamt haben wir es rund um Rovereto mit einem sehr abwechslungsreichen Bike-Revier zu tun. „Klassische Tourenfahrer“ kommen hier voll auf ihre Kosten, können sie doch auf dem weiten Netz aus Militärstraßen und Maultierwegen ihre Stärken ausspielen. Aber auch für eher Freeride-orientierte Singletrailfans hat die Gegend viel Potential zu bieten. Allerdings fehlt hier ein Angebot an Shuttledienstleistern, wie am nahen Gardasee. Die Touren vor Ort muss man sich komplett aus eigener Kraft erarbeiten.

Fazit: Mangels Shuttleservices werden eingefleischte Freerider rund um Rovereto wenig Freude haben. Allmountain Piloten die bereit sind, selbst Schweiß zu vergießen, freuen sich hier aber über zig lohnende Singletrails. Deren Bandbreite reicht von super flowig bis technisch sehr anspruchsvoll. Allerdings haben die meisten Trails einen sehr festen Untergrund. Ein Sturzrisiko wird also meist durch die technische Schwierigkeit, und nicht durch Geröll bestimmt. So sind viele Trails ein Stück weit angenehmer zu fahren, als am nahen Gardasee. Auf dem weiten Netz an Militärstraßen kommen schließlich vom Einsteiger bis zum konditionsstarken Crosscountry Fahrer alle Mountainbiker auf ihre Kosten. Hier lassen sich Touren von beliebiger Länge und beliebig vielen Höhenmetern planen.