Italien > Trentino > Valsugana
 

Von Kaisers Gnaden

Auf alten Militärwegen zu den Grenzforts des Kaiserreichs
 

Das Valsugana war als Südgrenze des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs bis zu den Zähnen bewaffnet. Die Militärwege zu den Grenzforts charakterisieren heute ein ergiebiges Bike-Revier.

 
 

Die Kombination aus Geschichte und Topografie machen aus dem Valsugana ein praktisch unerschöpfliches Crosscountry-Revier. Vor dem Ersten Weltkrieg verlief die Südgrenze des Kaiserreichs auf der Hochebene der Sieben Gemeinden bei Folgaria, und querte unweit von Borgo das Valsugana. Um sich gegen Angriffe aus Italien zu wappnen, wurde die Grenze in diesem Abschnitt mit einem engmaschigen Netz aus den damals hoch modernen Fernkampf-Festungen gesichert. Im Ersten Weltkrieg wurden die meisten dieser Festungen schwer beschädigt oder ganz zerstört. Die Nachschubwege sind aber heute noch in erstaunlich gutem Zustand. Sie ergeben ein Bike-Revier, das vor allem Crosscountry Fahrer ansprechen wird.

Der "Kaiserjägerweg", damals die Hauptnachschublinie auf die Hochfläche, ist heute komplett geteert. Doch diese Straße ist vor Ort nur der bekannteste Vertreter seiner Zunft. Viele dieser Wege haben ihren ursprünglichen Charakter oft noch erhalten. Allen gemein ist jedenfalls ihre moderate Steigung von maximal 10 bis 12 Prozent - kein Wunder, dass diese Straßen bei Mountainbikern hoch im Kurs stehen.

 

Vom Talgrund auf 500 Metern reicht dieses Wegenetz in der Lagoraikette hinauf bis auf über 2100 Meter Höhe. Im Süden des Valsugana wird an der Cima Vezzena immerhin die 1900-Meter-Marke erreicht. Natürlich finden sich vor Ort auch Singletrails. Die meist breiten Wege und die beträchtlichen Höhenunterschiede machen das Revier aber hauptsächlich für konditionsstarke Mountainbiker attraktiv. Crosscountry Fahrer eben, die mehr auf einen weiten Tourenradius setzen, denn auf fahrtechnische Schwierigkeiten.

Diese können sich vor Ort so richtig austoben: Der Talgrund des Valsugana verläuft recht flach, so dass sich Kurbelstrecken von beliebiger Länge kombinieren lassen. So eignet sich das Revier bereits früh im Jahr, um nach dem Winter mit den ersten Bike-Kilometern wieder "auf Touren zu kommen". Wenn im Hochsommer dann auch die alpinen Regionen schneefrei sind, wird der Aktionsradius nochmals beträchtlich erweitert. In Sachen Höhenmetern sind hier jedenfalls nach oben hin keine Grenzen gesetzt.

Fazit: Typisch für das Bikerevier rund um das Valsugana sind hauptsächlich breite, gut befestigte Militärstraßen. Die Abfahrten spielen sich meist auf Karrenwegen ab. Natürlich gibt es vor Ort auch einige sehr schön zu fahrende Singletrails. Für Allmountain Piloten reicht das Angebot an wirklich attraktiven Strecken aber höchstens für ein verlängertes Wochenende.
Wer aber nicht die fahrtechnische Schwierigkeit sucht, sondern lieber in einer schönen Landschaft Kilometer abspult, der kann im Valsugana aus dem Vollen schöpfen. Hier sind Touren mit beliebiger Länge und beliebig vielen Höhenmetern möglich.